»Wie kann Gott das zulassen?«  Die Frage kennen wir.  Schon mancher hat sie gestellt, wenn er selbst oder andere vom Schicksal getroffen wurden.  Doch nirgends drängt sich diese Frage mehr auf, als in der düsteren Stunde der Finsternis, als Jesus, der Sohn Gottes, von den Römern in Jerusalem wie der schlimmste Verbrecher auf gräßliche Weise zu Tode gemartert wurde.  Fragen wir uns schon oft:

»Womit habe ich das nur verdient?« 


Wieviel mehr stellt sich diese Frage bei Jesus, dem unschuldigen Lamm Gottes.  Selbst der ungerechte Richter Pilatus fand keine Schuld an ihm; kein Haß in seinem Herzen, keine Lüge in seinem Mund und kein Unrecht an seinen Händen.  Und doch mußte er von seinen Freunden im Stich gelassen einsam und alleine dem Todesurteil entgegengehen, das sein eigenes Volk für ihn gefordert hatte.   

„Kann es noch schlimmer kommen?“ 

Ja!  Denn ausgerechnet in dieser schlimmsten Stunde, als er in den letzten Zügen am Kreuz hing, sollte ihn auch noch sein Gott verlassen.  Uns macht es vielleicht gar nicht so viel aus, von Gott verlassen zu sein, wenn wir nur eine warme Mahlzeit und ein bisschen Spaß haben.  Aber für Jesus war es das allerschlimmste von Gott getrennt zu sein, denn sein ganzes Leben bestand nur daraus Gott zu gefallen und mit ihm zu leben, wofür ihm keine Schwierigkeit zu groß war.  „Das ist mein geliebter Sohn, der mir gefällt!“ hatte Gott selbst von ihm bekannt gegeben – das war mehr als etwas Anstand und guter Wille.  ER war einzigartig.  Was war bloß mit Gott los, daß er ausgerechnet Jesus im Stich läßt, als er in seiner Todesstunde am Kreuz schrie: 

»Mein Gott, Mein Gott! ... 

...Wozu hast Du mich verlassen!« Mt.27,46 

Aber das ist mehr als eine Frage, sondern zugleich der Schlüssel zur Antwort.  Denn hier beginnt Jesus ein altes jüdisches Gebet, das die Leiden des Messias voraussagte und den großen Segen, den es für Menschen bedeuten sollte.  Es ist der 22. Psalm der Bibel.  Es ist eine von vielen Stellen in der Heiligen Schrift, in denen vorausgesagt wurde, wie der Christus leiden sollte, um als Lamm Gottes die Schuld der Menschheit zu tragen.  Gott ist die Weltgeschichte nicht aus der Hand geglitten.  Er hatte das von langer Hand geplant.  Weil Gott uns Menschen so liebt, wollte er einen Weg, auf dem wir zu ihm zurückfinden können.  „Wir alle sind von ihm weggeirrt wie Schafe“ ohne Hirten (Jes.53,7), haben uns in Schuld und Lust verstrickt und die Erde, die Gott uns gab, mit Unrecht vollgemacht.  Und darum kam Jesus, um sein Leben als Lösegeld zu geben für uns. 

Vielleicht geht es uns wie den meisten Juden  

„Wir dachten: der ist von Gott bestraft und abgesetzt“ (Jes.53,4) 

Doch dann begreifen wir: 

„Tatsächlich, er war durchbohrt für unsere Fehltritte, zerschlagen wegen unserer Sünden.“ (V.5)

Nein, Gott ist nicht machtlos.  Es ist seine mächtige Liebe, daß er seinen Sohn Jesus für uns zum Sündenbock machte, um den ewigen Fluch zu tragen, den wir verdient haben.  Es ist ein wunderbares Erlebnis im Glauben zu entdecken: Hier hat Gott meine Schuld weggenommen, hier wurde meine Sünde bezahlt!  Wir alle dürfen es erfahren, und wir müssen es, denn nur Jesus kann uns zu Gott zurückführen.  Es gibt keinen Lebensstil, mit dem wir Gott gefallen können.  Nur wenn Christus unsere Schuld nimmt und uns seine Gerechtigkeit schenkt, werden wir Frieden mit dem Gott finden, der das ewige Leben gibt. 

Michael Licher 

 

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