Margret Mead
Margaret Mead und ihr Südseeparadies
Und Gott der Herr pflanzte den Garten Eden.
1.Mose 2
|
Die Sehnsucht der Menschheit nach dem Paradies im Garten
Eden gibt es schon so lang, wie es her ist, daß die Menschen aus dem Paradies
hinausgeworfen wurden. Da klingt es
verlockend von Naturvölkern auf fernen Inseln zu hören, die heute noch in einem
Paradies des Friedens und der Freiheit leben.
Seit einigen Jahrhunderten hat man angefangen fernste Länder und
Kontinente zu erforschen und von überall her kannte man Berichte über grausame
Wilde, von Menschenopfern in Mittelamerika bis zu menschenfressenden Kannibalen
in der Südsee, dazu Tropenfieber und schreckliche Seuchen mit Giftschlangen und
gefährlichen Raubtieren. Da stellt sich
die Frage, wie die junge Völkerkundlerin Margaret Maed dieses Bild in den
zwanziger Jahren auf den Kopf stellte und den Mythos der friedlichen Naturvölker
in die Welt setzte, die in einer zwanglosen Gesellschaft ein glückliches Leben
führen – ein Trugbild, das sich im heutigen Weltbild so eingenistet hat, daß es
immer wieder selbstverständlich herzitiert wird, wenn es darum geht, alte
Wertvorstellungen wie Ehe und Familie in Frage zu stellen.
Hintergründe: Charles Darwin und seine Früchte
Seit Charles Darwin im Jahr 1859 seine „Entstehung der
Arten“ veröffentlichte, die heute als Evolutionslehre zur verbreiteten Weltanschauung
geworden ist, war kein Gott mehr erforderlich, um den Ursprung von Pflanzen und
Tieren zu erklären. Nur der Überlebenskampf
zwischen den verschiedenen Vertretern einer Lebensart sollte das „Überleben des Besseren“ und damit die fortlaufende
Höherentwicklung garantieren.
Gott hat den Himmel und die Erde gemacht und alles, was
darin lebt. – die Bibel
|
Es war nur eine Frage der Zeit, daß man dieses Prinzip der
„natürlichen Zuchtwahl“ auch auf den Menschen übertrug. So vertrat ein gewisser Francis Galton, ein
entfernter Vetter Darwins, daß auch menschliche
Charaktereigenschaften wie Fleiß, Anstand und Ehrlichkeit von den Eltern
vererbt werden.
Er erklärte es zum obersten Ziel durch die „Züchtung“ der menschlichen
Tugenden, die menschliche Rasse weiter zu „veredeln.“ Solche Ansichten nannte man „Eugenetik,“ „Veredelung des Erbgutes.“ Sie fanden in Amerika bis zum Anfang des
Jahrhunderts zahlreiche Anhänger (S.28ff).
Der Begeisterung für solche Ziele sollte die Luft ausgehen, spätestens
als Adolf Hitler mit dem Nationalsozialismus die reine „nordische Rasse“ der
Arier züchten wollte, indem er sie von Juden, Slawen und anderen
„reinigte.“
Jede gute Gabe kommt von oben herab von dem
Vater des Lichts.
Jak.1,17
|
Die Argumente für die Erblichkeit von guten und schlechten
Charaktereigenschaften waren einfache Beispiele wie der Sohn eines Diebes, der
wieder ein Dieb wurde und ähnliches. Da
Eltern und Kinder meist unter ähnlichen Lebensverhältnissen aufwachsen, war es
leicht den Spieß umzudrehen und zu sagen, daß nur die Umgebung und Kultur aus
dem Sohn dasselbe macht wie aus dem Vater.
So trat man der Vererbung von Charaktereigenschaften entgegen mit der völligen Bestimmung des Charakters durch die Erziehung und
Gesellschaft. Die Kultur sollte
das Wesen des Menschen ganz unabhängig von erblichen Anlagen so völlig
bestimmen, daß man von „Kulturdeterminismus,“ Festlegung durch die Kultur,
sprach.
Um zu beweisen, wie völlig das Wesen eines Menschen von seiner
Umgebung bestimmt wird, suchte man Beispiele, wo
Menschen unter ganz anderen Bedingungen einen völlig anderen Charakter
annehmen. Der nötige Umbau der alten
Gesellschaftsordnung war längst im Gang, und so kamen die ersten Erfolgsmeldungen
– man höre und staune – aus dem kommunistischen Russland. Amerikanische Besucher berichteten in den
zwanziger Jahren begeistert, wie dort eine „saubere“ Gesellschaft aufgebaut
wird frei vom alten Staub der Moral und Religion, die das Leben kompliziert und
mühselig machen (S.117). Schließlich
hatte schon Karl Marx die Religion als „Opium des Volkes“ bezeichnet. Auch diese Begeisterung sollte nicht von
Dauer sein, denn schon bald zeigte dieser Kommunismus ganz andere Seiten, als
Stalin mit seinen „Säuberungsaktionen“ die Sowjetunion in einem Meer aus
Gewalt und Blut versenkte.
Sie versprechen ihnen Freiheit, obwohl sie selbst
Sklaven des Verderbens sind.
2.Petr.2,19
|
Ohne konkretes Beispiel war alles bloße Theorie; dann
hatte man nicht mehr vorzuweisen als die Christen, die das Paradies im Himmel
erwarten. Da konnte man nicht allzu
wählerisch und kritisch sein, als in den zwanziger Jahren die junge
amerikanische Völkerkundlerin (Antropologin) Margaret
Mead endlich den ersehnten Beweis von einem mehrmonatigen Aufenthalt
(1925/26) in Samoa mitbrachte. In der
fernen Südsee recht genau unserem Längengrad gegenüber etwas näher zum Äquator
sollte es nach Ihren Erforschungen eine Inselgruppe mit Namen Samoa geben, wo
die Menschen durch eine völlig andersartige Gesellschaftsform, zu einem ganz
und gar anderen Charakter heranwüchsen, der sie zu einzigartig ausgewogenen und
friedlichen Menschen macht. Keine
gesellschaftliche Moral oder Sitte erzeugte unter ihnen Spannungen. Keine Bindungen durch Ehe und Familie oder
Leidenschaften wie Eifersucht und Neid standen Ihnen im Weg, um die kurzen
Genüsse des irdischen Lebens schon im jugendlichen Alter in vollen Zügen
auszukosten. So beschrieb sie in ihrem
Buch „Coming of the Age“ von 1928 (Kindheit und Jugend in Samoa) mit schillernden
Worten ein Paradies des Friedens und der freien sexuellen
Liebe. Ihre Darstellungsweise
der „Naturvölker“ in der Südsee wurden in der westlichen Welt zum Standardargument,
daß nun auch bei Moral und Sitte „alles relativ“ ist, wie es Albert Einstein
bereits in der Physik eingeführt hatte.
So wurde M. Mead zur Leitfigur einer ganzen Generation, die mit der
„sexuellen Revolution“ die Auflösung überlieferter moralischer Werte im
Abendland wie keine andere vorantrieb.
Samoa unter der Lupe
Es gibt nichts unbekanntes,
was nicht heraus kommen wird. –
Jesus Christus
|
Bei dem großen Einfluß, den M. Meads Bild der
Südseebewohner auf die gesellschaftliche Entwicklung ebenso wie die persönliche
Lebenseinstellung vieler Menschen hatte, war das Bedürfnis nur verständlich,
ihre recht kurzen Untersuchungen durch gründlichere Erforschungen zu
bestätigen. So begann einer ihrer Anhänger,
der Völkerkundler Derek Freeman, 1942 in Samoa
seine eigenen Untersuchungen, wozu er dort viele Jahre lebte, die Sprache
lernte und als Adoptivsohn eines Häuptlings sogar an den internen Versammlungen
der Eingeborenen teilnehmen konnte. Von
Anfang an berichtet er, daß das Bild, das Margaret Mead vom Leben dieser
Südseebewohner gezeichnet hatte, ganz und gar nicht den Tatsachen entsprach. Da es aber kein leichtes war, einer so angesehenen
Wissenschaftlerin zu widersprechen, zog er seine Untersuchungen lange hin und
trug auch zahlreiche andere Quellen über Samoa zusammem (S.133f) von den
Berichten der ersten Seefahrer, die die Insel 1722 entdeckten, den
methodistischen Missionaren, durch die bereits Mitte des 19. Jahrhundert
die Mehrheit der Samoaner zum Christentum übergetreten war, aber auch
Tageszeitungen und Gerichtsakten der Kolonialmächte – nicht zuletzt aber die
Samoaner selbst, von denen einige Margarets Meads Darstellung ihrer Lebensweise
bereits gelesen hatten und dazu meinten, daß an „all dem Zeug über Sex“ nichts
dran sei. Diese Quellen behaupten
manchmal das direkte Gegenteil von Margaret Mead, deren Beschreibung man daher
als reinen Mythos ansehen muß, der mit der Realität nur wenig zu tun hat. Zusammengefaßt fand ich die Ergebnisse in
dem Buch „Liebe ohne Aggression – Margaret Meads Legende von der
Friedfertigkeit der Naturvölker“ von Derek Freeman, München 83 (org. „Margaret
Mead and Samoa. The Making and Unmaking of an Anthropological Myth,“
Cambridge), worauf sich die gelegentlichen Seitenangaben beziehen.
Krieg und Frieden in Samoa
Schon als sie der Küste nahten, fiel den frühesten
Seefahrern auf, daß an den Stränden Samoas nicht wie anderswo in der Südsee Menschenknochen
von den Feiern der Kannibalen herumlagen.
Weil sich die Samoaner nicht gegenseitig aufgefressen haben – das dürfte
zumindest der Einzelfall gewesen sein –, muß man sie aber noch nicht gleich
„ausgesprochen friedfertig“ nennen wie Margaret Mead.
Seit den ersten
Besuchen gibt es Berichte über kriegerische
Auseinandersetzungen, die mit Grausamkeit geführt wurden und nicht nur
den Tod einzelner Krieger sondern manchmal die Ausrottung ganzer Dörfer
einschließlich Frauen und Kinder mit sich brachten. Die Kriegsverluste unter der Bevölkerung vor der Kolonialzeit
scheinen anteilmäßig den hochtechnisierten Kriegen im Europa dieses Jahrhunderts
kaum nachzustehen.
Ihre Füße sind schnell beim Blutvergießen. Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen. Der Weg zum Friedens ist ihnen unbekannt.
Röm.3,15-17
|
Schwer in Zahlen fassen kann man die Neigung zu Streitigkeiten. Aber immer wieder wird berichtet, daß
Samoaner ausgesprochen streitsüchtig sind und häufig wegen Kleinigkeiten Prügeleien mit Knüppeln, Stöcken oder Paddeln
anfangen. Von solchen Raufereien sollen
auffallend viele Samoaner Narben am Körper tragen (S.179ff).
Über die meisten Streitigkeiten saßen die Samoaner in ihren
Häuptlingsversammlungen selbst zu Gericht, so daß nur schwere Vergehen wie Mord in die Akten der Kolonialverwaltung
gerieten. Bei einem Vergleich unter
61 Mitgliedstaaten gaben die Vereinten Nationen für 1960 pro
100.000 Einwohner zwischen 34 Morde in Kolumbien und 0,2 Morde
in Irland an. Mit knapp 6,7 in West-
und 25 in Ostsamoa liegen die Angaben zumindest deutlich über der
Industrienation USA mit 4,5 (S.185).
Da brach die Rechthaberei unter ihnen aus, wer von
ihnen denn nun der Beste ist?
Lukas 22,24
|
Wie macht ein solches Volk auf Besucher einen besonders
freundlichen, liebenswerten Eindruck?
Das beruht auf einer strengen Gesellschaftsordnung, die für das
alltägliche Miteinander genaue Grenzen festlegt. Sie verlangt vom Einzelnen Unterordnung, gibt ihm aber auch
Sicherheit für seine eigenen Rechte, weshalb jeder peinlich auf ihre Einhaltung
achtet. Man hat die Samoaner daher auch
die „eifrigsten Befolger der Etikette
(höfliche Umgangsformen) in der Südsee“ genannt. Ein Beispiel dafür ist die genaue Rangstruktur des Häuptlingssystems. Neben einem zentralen Oberhäuptling hat etwa
jeder 4. bis 5. irgendeinen Häuptlingstitel, deren abgestufte Reihenfolge genau
festgelegt ist. Die genaue Rangordnung
wird bestätigt durch zahlreiche Gesten bei den Häuptlingsversammlungen von der
Sitzordnung über die Anrede, Symbole an der Kleidung und anderes. Wegen der Bedeutung dieser Rangordnung für
die Samoaner, richtete die deutsche Kolonialregierung für Westsamoa ein eigenes
Amt ein zur Beilegung der häufigen Streitigkeiten über die Rangfolge der
Häuptlinge. Auf den ersten Blick mag
einem das sehr fremd erscheinen, doch wenn man mal bedenkt, wie sehr man bei
uns manchmal auf die genaue Anrede mit dem richtigen akademischen Titel oder
Adelsprädikat achtet oder erst die Dienstabzeichen an Uniformen, dann spürt man
einmal mehr unsere enge Verwandtschaft mit diesen Südseebewohnern, denen
Statusdenken ebenso vertraut ist wie uns.
Und ich durchschaute alle Mühe und Geschäftstüchtigkeit,
daß es nur Eifersucht des einen gegen den andern ist.
Pred.(Qoh.) 4,4
|
Wenn Margaret Mead wie andere feststellte, daß die Eltern mitunter
ihre Kinder zurückhalten, damit sie beim Spiel oder in der Schule nicht anderen
voraus sind, liegt das also keineswegs daran, daß ihnen „Leistungsdenken und Ehrgeiz völlig fremd sind,“
sondern im Gegenteil daran, daß sie die eifersüchtigen Schikanen ihrer
Mitbewohner fürchten und sie daher lieber nicht durch bessere Leistungen
provozieren wollen.
Die strengen Regeln der Gesellschaft vermitteln dem
Einzelnen Sicherheit, verlangen aber auch ein großes Maß an Unterordnung. Es ist kein Wunder, daß das besonders bei
Jugendlichen, die erst lernen müssen sich in diese Gesellschaft einzuordnen,
häufig zu Spannungen führt. Auch hier
kann man zum Vergleich nur die besonderen Fälle heranziehen, wo diese innere
Anspannung sich nach außen Luft macht wie bei Gewalttaten
gegen andere oder sich selbst.
So ist die Straffälligkeitsrate etwa in den selben Jahren der Jugend besonders
hoch wie bei anderen Kulturen in England, USA oder Australien (S.292,
Abb.). Auch Samoaner kennen also eine
Zeit des Heranwachsens, die mit besonderen inneren Problemen und Spannungen verbunden ist.
Verbittert Eure Kinder nicht, damit sie nicht den Mut
verlieren!
Kol.3,21
|
Häufig fühlen sich Samoaner auch von ihrer anspruchsvollen Gesellschaft
überfordert, so daß sie in eine Art Resignation fallen, die sie „musu“ nennen –
eine Art Depression würde wir das wohl nennen.
Im Extremfall führt das am häufigsten bei Jugendlichen bis zum Selbstmord, der allerdings bei einer Inselgruppe mit
kaum mehr 100.000 Einwohnern ein Einzelfall bleibt, sich bei jugendlichen
aber offenbar häuft (S.240/244).
Eine andere Art mit der Überforderung durch eine strenge
Moral der Gesellschaft umzugehen, besteht darin, sich mit dem guten Anschein
zufriedenzugeben, woraus sich eine ausgesprochene Neigung zur Flunkerei versteht.
Kann man den anderen schon nicht mit Taten übertreffen, versucht man es
wenigstens mit Worten. Solcher unwahren
Angeberei, die die Ansprüche der Gesellschaft mit einem gewissen Humor nimmt,
ist Margaret Mead bei ihren Informatinnen auf den Leim gegangen, da sie die
dahinter stehenden gesellschaftlichen Ursachen ignorierte.
Gott sagt:
Selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergißt – Ich vergesse Dich nicht!
|
Liebe und Eifersucht in Samoa
In Ehe und Familie setzt sich die Machtstruktur der
Gesellschaft fort vom Vater angefangen bis zu den kleinsten Geschwistern. Nach Margaret Mead dagegen soll es nicht mal
eine besondere Bindung zwischen Kindern und ihren
Eltern geben, so daß Kinder bei Bedarf einfach in eine andere Familie überwechseln,
die also mehr eine freiwillige „Kommune“ ist.
Daß bei der strengen Erziehung, die auf die spätere Gesellschaft
vorbereitet, manchmal Kinder ausreißen, ist nicht verwunderlich und wird auch
von D. Freeman berichtet, allerdings auch, daß Eltern das keineswegs
hinnahmen und bestraften. Ein Besucher
berichtet, daß er Tag für Tag am Morgen zusah, wie die Mütter zum Fischen aufs
Meer hinausfuhren und ihre kleinen Kinder weinend hinterherliefen. Auch samoanische Kinder haben offensichtlich
eine ganz besondere Bindung an ihre Eltern, die sich nicht einfach durch andere
Erwachsene ersetzen lassen.
Denke an Deinen Schöpfer in
den Tagen Deiner Jugend! – Pred.12,1
|
Nicht weniger abwegig ist die Vorstellung, die Margaret Mead über das Liebesleben in Samoa verbreitet
hat: sexuelle Beziehungen vor der Ehe
würden von Mädchen geradezu erwartet; Ehebruch störte niemand und eifersüchtige
Reaktionen des betrogenen Partners seien nur sehr selten, da man Sex als Spiel
ohne persönliche Bindung ansähe.
Ausgerechnet dieser spielerische Umgang mit Sexualität soll dafür
sorgen, daß Schwangerschaften bei jungen Mädchen selten sind (S.112/113). Das war offenbar auch Frau Mead nicht
entgangen.
Aber ihre Begründung kann nur frei erfunden sein – ob nun
von M. Mead selbst oder den pubertierenden Mädchen,
die ihr als Hauptinformationsquelle dienten und sicher schnell bemerkten, daß
man bei ihr nur mit solchen Geschichten Eindruck machen konnte. Jedenfalls schreibt Mead selbst, daß über
die Hälfte dieser Mädchen zwischen 14 und 20 Jahren keinerlei Erfahrungen
mit Jungen hatte, was 9 davon auch kaum möglich war, da sie im Haushalt eines
Pfarrers lebten (S.208/261). Eine
Untersuchung in den 60er Jahren ergab, daß ¾ der Mädchen dieses Alters
Jungfrauen waren, was sich durch den Altersvergleich von Eltern mit ihren ältesten
Kindern bestätigte.
Wer kann schon vor der Eifersucht standhalten? –
Sprüche 27,4
|
Vom Konkurrenzdenken der Samoaner sollte man erwarten, daß
sie auch in der Ehe eifersüchtig über die Treue ihres Partners wachen. Die berichteten Eifersuchtsszenen
könnte man sich ebensogut in jedem westlichen Land vorstellen. Zur Zeit von M. Mead konnte Ehebruch
sogar noch mit Geld- und Gefängnisstrafen belegt werden (S.266ff).
Schon die frühen Seefahrer beschrieben ausgerechnet die Samoaner
wegen ihrer sexuellen Zurückhaltung als
„Puritaner der Südsee.“ – Puritaner, „die Reinen,“ nannte man englische
Protestanten, die eine besonders strenge Abneigung gegen jede weltliche Vergnügung
übten.
Die Sittenstrenge kommt zum Ausdruck in dem Kult, den man in
Samoa um die Jungfräulichkeit gemacht hat.
So wurden einzelne Mädchen, oft Häuptlingstöchter, zu einer „taupou“
ernannt, das ist eine Zeremonialjungfrau, die zu
heiraten besonders begehrt war.
Dahinter stand nicht nur das Bedürfnis nach sittlicher Reinheit sondern
auch der Stolz des Mannes vor seinem Stamm, bei seiner Braut der erste zu sein,
was öffentlich vor der Hochzeitsgesellschaft unter Beweis gestellt wurde. Diese frauenfeindliche Unsitte war eines der
ersten „heidnischen Kulturgüter,“ die von den christlichen Missionaren
abgeschafft wurden (S.253/261). Der
Dank des modernen Feminismus dafür ist ausgeblieben.
Zur Kultur gehört auch in Samoa eine Subkultur. Da nicht jeder Mann das Ziel einer solchen
Hochzeit erreichte, kam es vor, daß er sich seinen Willen mit Gewalt nahm. Die Häufigkeit von Vergewaltigungen
ist schwer zu schätzen, da die meisten vor der Häuptlingsversammlung bestraft
wurden und nur selten vor die staatlichen Gerichte wanderten, wo auf solche
Männer einige Jahre Gefängnis wartete; dennoch liegen schon die polizeilich
erfaßten Fälle doppelt so hoch wie in den USA (S.273). Das schematische Vorgehen bei Vergewaltigungen
weist darauf hin, daß es hier sozusagen eine regelrechte Subkultur gab, die an
den Bräuchen des alten Hochzeitsrituals anknüpft. Auch die einschneidenden Vorsichtsmaßnahmen für die überwiegend
bedrohten jüngeren Mädchen, lassen die Häufigkeit von Vergewaltigungen erahnen.
Auch wenn Verhältnisse vor der Ehe durchaus normal waren und
zu einer dauerhaften Ehe führen konnten, zeigt der Kult um die Zeremonialjungfrau
doch, welche Wertvorstellung vorherrscht.
Das Ideal ergibt sich aus der „gescheiterten Jungfrau,“ die als übles Schimpfwort diente, weil sie die Überprüfung bei der
Hochzeitszeremonie nicht bestanden hat (S.256). Eine Frau, die so beschimpft wurde, ließ sich kurzerhand von
einem entfernten Arzt ihre Jungfräulichkeit bescheinigen, worauf hin die
Verleumderin, die dies bestritten hatte, zu einem Bußgeld wegen Beleidigung
verurteilt wurde. Sie hatte sich von
ihrem eigenen Ehemann aufziehen lassen, der mit einem nie erlebten Abenteuer
mit der anderen geprahlt hatte.
Von Babel aus zerstreute der
Herr die Völker über die ganze Erde.
Gen.11,9
|
Gott und die Götzen in Samoa
Die Samoaner sollen ihre Inseln erst spät aus dem Raum von
Indonesien besiedelt haben. Wegen ihrer
Herkunft unterscheiden sie sich nicht nur äußerlich an Gesichtszügen und
hellerer Hautfarbe deutlich von anderen Völkern im Pazifik sondern auch in ihren
kulturellen Traditionen. So fehlen die
vielen Götzenbilder, die man auf anderen
Südseeinseln findet. Wenn jemand daraus
gleich schließt, daß Religion in Samoa nicht viel bedeutete, erinnert das an
die ersten Christen, die von Römern als Atheisten bezeichnet wurden, da sie
keine Götter(bilder) hatten. Wenn die
Religion auch anders aussah, war sie für die Samoaner darum noch nicht
unwichtig. Sie bildete die Grundlage
der Gesellschaftsordnung ebenso wie die Begründung der zahlreichen Lebensregeln.
Wie man es von einer Religion nicht anders erwarten kann, berührt
sie alle wichtigen Lebensziele und Notsituationen. Besonders bedrohlich war Krieg mit anderen Stämmen. Da wundert es nicht, wenn ein Missionar über
70 höhere Gottheiten auflistet, von denen über die Hälfte Kriegsgötter waren (S.194).
Wenn die Götter des alten Samoa auch nicht überall durch
Bilder zu sehen waren, waren sie doch für die Samoaner ebenso gegenwärtig, die
bei allerlei Gelegenheiten sich mit Anrufungen an
sie richteten. Manche gingen auch in
den Busch, um sich mit „ihrem großen Geist“ zu unterhalten (S.200).
Eine wichtige Rolle spielten auch Medien,
durch die die Götter sprachen, wenn sie sich in Trance versetzt hatten. Solche Götterboten forderten von den übrigen
Gehorsam und hatten großen Einfluß. Es
sind auch Fälle bekannt, wo sie mit ihren Befehlen die Bevölkerung so
schikanierten, daß die sich schließlich auflehnte und das Medium erschlug
(S.200).
Die Heiden beweisen, daß die Anweisungen Gottes in ihrem
Herzen geschrieben stehen, weil es ihr Gewissen bestätigt, wenn sie sich
gegenseitig beschuldigen oder rechtfertigen.
Röm.2,15
|
Auch ein Schuldbewußtsein war
den Samoanern bekannt. Es gibt
Berichte, wie sie besonders in Notsituationen anfingen ihre Sünden zu bekennen
mit dem Gefühl, daß sie nun die Strafe dafür heimsucht. Wie alle Völker brauchten auch sie nichts
dringender als die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus.
Die ersten Christen unter den Samoanern wurden von anderen
Polynesiern bekehrt, die mit ihrem Boot von einem Sturm nach Samoa verschlagen
worden waren. Diese Polynesier baten
dann westliche Missionare nach Samoa zu kommen. So kamen methodistische Missionare – Methodisten nannte sich eine
evangelische Freikirche aus England – und schon um die Mitte des letzten
Jahrhunderts hatte die große Mehrheit der Samoaner das Christentum
angenommen.
Jesus sagt: Kommt her zu mir, wenn ihr elendig und niedergedrückt
seid. Ich will euch aufatmen lassen!
|
Das friedliche Samoa, das Margaret Mead besuchte, stand also
bereits ein gutes Jahrhundert lang unter dem Einfluß des Christentums. Sie versuchte das zu überspielen durch die
Behauptung, daß Samoaner religiösen Dingen gegenüber ausgesprochen gleichgültig
wären und auch das Christentum nur äußerlich übernommen hätten. Anscheinend haben sie das Christentum
erfolgreich mit ihrem samoanischen Lebensstil verbunden,
auf den sie nach wie vor sehr stolz sind.
So waren die Häuptlinge nun von Jehowa eingesetzt – so sprach man den
Gottesnamen Jahwe damals in allen Kirchen aus.
Junge Mädchen wurden gerne in den Pfarrhäusern der Missionen wie in
einem Internat untergebracht, um Vergewaltigungen und Verhältnissen vorzubeugen. Wie man auch über die Stärken und Schwächen
des Christentums der Samoaner urteilen mag, die es sicher ebenso wie das unsere
hat, auf jeden Fall waren die Samoaner nicht religiös gleichgültig, wenn sie
von westlichen Beobachtern beschrieben werden als „geradezu fanatisch im
Einhalten ihrer Kirchenregeln.“
Daneben gab es natürlich auch besonders in Ost- oder Amerikanisch-Samoa,
wo M. Mead ihre Untersuchung vornahm, westliche
Einflüsse und verschiedene gesellschaftliche Bewegungen, wie man sie
wohl überall in der einen oder anderen Form finden kann.
Wie Margaret Mead ihr Forschungsziel erreichte
Von so manchen Trieben
gesteuert lernen sie immerzu und bringen es doch nicht, die Wahrheit zu begreifen.
2.Tim.3,6-7
|
Die samoanische Widmung, die M. Mead an den Anfang
ihres bekannten Bestsellers stellte, zeigt wie mangelhaft ihre Sprachkenntnisse
auch nach ihrem 9-monatigen Aufenthalt in der Südsee geblieben waren. In den nur 15 Wörtern fand man 7 zum Teil
grundlegende Fehler (S.89). Trotzdem
begann sie schon nach wenigen Wochen in Samoa mit einigen pubertierenden
Mädchen ihre wesentliche Forschungsarbeit, die sie wiederum nach kurzer Zeit
für im wesentlichen abgeschlossen erklärte.
Danach hatte sie nur noch wenig Gelegenheit, das gewöhnliche
Alltagsleben auf dieser Inselgruppe kennenzulernen, da ein Hurrikan
Zerstörungen anrichtete, die die Eingeborenen in so in Anspruch nahm, daß sie
weder für neugierigen Wissenschaftler noch für ihre üblichen Festlichkeiten
Zeit fanden. So blieben ein paar junge
Mädchen neben einigen Berichten aus persönlichen Kontakten ihre wichtigste
Informationsquelle. Samoaner, die ihre
eigene Neigung zur Prahlerei besser kennen, zweifeln nicht daran, daß diese Mädchen
sich einen Spaß daraus gemacht haben, Margaret Mead mit frei erfundenen
Abenteuern einen Bären aufzubinden – soweit sich Margaret Mead nicht alles
zusammengereimt hat, was sie mangels Sprachkenntnissen nicht verstand.
Sie werden sichnach Lust und Laune Dozenten vorsetzen,
nach denen ihre Ohren kitzeln.
2.Tim.4,5
|
Weil Samoa eine entfernte
kleine Inselgruppe war, von der sonst keiner Notiz nahm, konnte sie sich
erlauben eine Darstellung der Kultur zu geben, die ganz unverblümt auf die
Bestätigung ihrer eigenen Theorien zugeschnitten war, und schon durch einen
Blick in die Tageszeitung dieses Landes hätte widerlegt werden können. Als Volk ohne Scham und Eifersucht mußte sie
die Samoaner darstellen, um zu beweisen, daß solche Empfindungen nicht zur
menschlichen Natur gehören, sondern nur von der Kultur anerzogen sind. Und genau das wollten alle die hören, die
nur auf einen Grund warteten, ihre Scham und Hemmungen aus dem Weg zu räumen,
um sich ungehindert der freien Liebe hingeben können.
Das wahre Paradies …
ist nach wie vor das Paradies im Himmel Gottes – der einzige
Ort wo unsere Sehnsucht nach Frieden und Glück wirklich Erfüllung finden
kann. Und der Weg dahin führt über
Jesus Christus, der am Kreuz die Schuld der Menschheit getragen hat, um uns zu
Gott zurückzuführen. M.Licher,
Osnabr.97
email schreiben
Tip: Was ist der Mensch?
link auf diesen Artikel:
|